Die 4 Prinzipien bewusster Sexualität

Conscious Sexuality (bewusste Sexualität) gewinnt als feststehender Begriff neben Tantra immer mehr an Bekanntheit.

Ich begrüße das sehr, damit in der öffentlichen Diskussion eine Differenzierung stattfinden kann und klarer wird, dass Tantra eben mehr ist als NUR bewusste Sexualität.

Über Tantra habe ich schon einen Einführungsartikel geschrieben.

Doch was bitte versteht man denn genau unter bewusster Sexualität? Wie definiert sie sich? Und ist sie immer nur langsam, zart, vorsichtig und blumig?

Keineswegs!

Hier möchte ich die 4 Hauptaspekte bewusster Sexualität mit euch teilen. Also los geht’s!

Atmung

Natürlich sind alle vier Prinzipien für ein ganzheitliches Verständnis wichtig. Und doch empfinde ich die Atmung als DEN zentralen Aspekt bewusster Sexualität, weil er den direktesten Effekt auf unser Nervensystem hat und uns darüber hinaus am zuverlässigsten aus dem Kopf heraus bringen und mit dem gegenwärtigen Moment verbinden kann.

Für Menschen, die beim Sex den Kopf nur schwer abschalten können ist die Konzentration auf die Atmung also extrem hilfreich.

Eine starke Betonung der Einatmung aktiviert das sympathische Nervensystem und verstärkt so die Sauerstoffversorgung, den Blutfluss, das Erregungsniveau und regt insgesamt den ganzen Körper an.

Was hier gerade etwas nerdig klingt ist absolut zentral für Menschen, die sich aufgrund von Scham, Angst oder Trauma vom eigenen Körper abgespalten fühlen und deswegen beim Sex nicht viel spüren.

Eine starke Betonung der Ausatmung hingegen aktiviert das parasympathische Nervensystem, welches für körperliche, geistige und seelische Entspannung und Beruhigung zuständig ist. Es wirkt Stress entgegen, der in vielen Betten der Sexkiller Nummer 1 ist und verstärkt unsere Fähigkeit zur Hingabe und zum Loslassen, die für genussvollen Sex und das Erreichen eines Orgasmus unerlässlich ist.

Fokus

Wir alle kennen es, während des Sex manchmal in störende Gedanken, Sorgen, Selbstzweifel, den letzten Streit oder das Lauschen auf Kinderschritte vor der Schlafzimmertür abzuschweifen. Auch sexuelle Phantasien können uns vom eigentlichen Geschehen abtrennen.

Die Fähigkeit, den Fokus konsequent auf die eigenen Empfindungen oder den Genuss des Partners auszurichten ist also ebenfalls zentral, um lustvolleren Sex zu erleben.

Übrigens: Gegen gelegentliche sexuelle Phantasien ist absolut nichts einzuwenden. Wir alle haben sie! Wird das Abschweifen jedoch zur Gewohnheit oder gar zur Sucht und zur einzigen Möglichkeit Lust zu erleben, kann dies ein Anzeichen für eine mangelnde Verbindung zum eigenen Körper oder ein Hinweis auf verdrängte Traumata sein. Das eigentliche Fühlen wird als zu unsicher erlebt, daher flüchtet man sich in die Phantasiewelt.

Bewegung

Bewegung und Lebendigkeit hängen stark zusammen. Manchmal reichen schon kleine Bewegungen der Hüfte aus, um sexuelle Erregung zu fühlen oder zu verstärken.

So kann im Gegensatz dazu ein Unterdrücken von Bewegungen oder ein Gefühl der körperlichen Erstarrung die Freude und den Genuss stark mindern.

Ebenso wie das Abschweifen in Phantasien (Flucht) kann die Bewegungslosigkeit (Erstarrung) ein Hinweis auf im Körper gespeicherte Traumata sein und als Schutzmechanismus (wie das Totstellen bei Tieren) fungieren.

Hierbei helfen karthartische Bewegungen, wie z.B. Schütteln (Osho Kundalini Meditation oder andere dynamische Meditationen) dabei, diese Erstarrung nach und nach sanft aufzulösen und wieder mehr Lebendigkeit zuzulassen.

Das körperliche los- und sich gehen lassen ist auch in Bezug auf das Erreichen der berühmt-berüchtigten „Energieorgasmen“ enorm wertvoll, bei denen die sexuelle Spannung nicht durch den „klassischen“ Orgasmus entladen, sondern durch die Atmung im Körper verteilt wird und sich in teils heftigen, minutenlangen, ekstatischen Zuckungen und Vibrationen zeigt.

Tönen

Bei sexueller Aktivität nicht nur den Körper sondern auch die Stimmbänder vibrieren zu lassen ist enorm befreiend und lustfördernd. Nicht nur für einen selbst, sondern auch für den Partner, der sich durch die Geräusche sowohl geleitet als auch bestätigt und bestärkt darin fühlt, dass das was er tut sich gut anfühlt.

Dabei kommt es nicht auf die Lautstärke an, sondern darauf, Töne, die spontan entstehen, nicht zu unterdrücken sondern rauszulassen.

Durch die Vibration der Töne können sich ebenfalls blockierte Energien im Körper lösen und ausgeleitet werden, ähnlichen den karthartischen Bewegungen.

Fazit

Kommen diese 4 Aspekte beim Sex zusammen wird aus einem lauen Lüftchen sexueller Empfindung ein Orkan der ganzkörperlichen und bewussten, kraft- und lustvollen Sexualität.

Diese Prinzipien können sowohl alleine als auch mit einem Partner die Lebendigkeit und Intimität verstärken.

Je nach dem wo man sich selbst auf der Skala zwischen erstarrt und befreit verortet, kann es sinnvoll sein, sich einen Aspekt nach dem anderen vorzunehmen und damit zu experimentieren.

Wichtig ist auch, die dabei eventuell aufkommenden Themen wie Scham oder Angst liebevoll anzuschauen und nicht darüber hinweg zu gehen. Aber dazu in einem anderen Artikel mehr…

In Liebe zu dir und deiner kraftvollen, bewussten Sexualität

Lucya

By | 2020-03-04T13:38:29+00:00 Februar 24th, 2020|Bewusste Sexualität|0 Comments

Leave A Comment

*

%d Bloggern gefällt das: